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Comic-Besprechung - Texte zur graphischen Literatur 3

Geschichten:
Warten auf Corto
Autor: Hugo Pratt
Übersetzung: Dr. Peter Pohl


Im November 2015 startete in der Edition Alfons eine neue Buchreihe zur Neunten Kunst: „Texte zur graphischen Literatur“. Jetzt ist der dritte Band dieser ambitionierten Reihe erschienen. Nach einem Band über die Comicserie Robinson Crusoe und einer Veröffentlichung zum Comicmagazin „Schwermetall“ (der zweite Teil hierzu ist angekündigt), wartet die Reihe nun mit einem besonderen Schmankerl auf: der Autobiographie Hugo Pratts.
Die Entstehungsgeschichte des Werkes ist nicht weniger abenteuerliche, als eine Geschichte des Kapitäns ohne Schiff. 1970 begleitete Pratt seinen Freund und Comiczeichner Antonio de Rosa auf zwei Reisen. Die Zeit im Auto zog sich wie Gummi und so begann Pratt seinem Kollegen seine Lebensgeschichte zu erzählen. Dieser ließ ein Tonband mitlaufen - fertig war das Werk. So zumindest kann es der Leser dem kurzen Vorwort des Übersetzers entnehmen.
Der Text zeichnet sich durch eine ungeheure Authentizität aus. Man merkt ihm an, dass er nicht in der gelassenen Ruhe eines Arbeitszimmers entstand, sondern während einer Autofahrt. Nichts wird ausgebügelt, geschönt, umformuliert, begradigt oder einfach nur vorsichtiger formuliert. Pratt redet so, wie es ihm in den Sinn kommt und nimmt den Leser mit auf seine Lebensabenteuer. Da kann dann schon mal eine Formulierung wie „Da rutschte mir das Herz in den Arsch“ stehen.
Die (unbeabsichtigte) Ehrlichkeit ist dann auch der ganz große Vorteil des Textes. Pratt wollte sich kein Denkmal setzen. Er betrachtete nicht sein Leben und stellte sich die Frage, in welchem Licht er diese oder jene Szene darstellen sollte, um bei den Lesern eine gewisse Wirkung zu erzielen. Pratt erzählt frei von der Leber weg. Das stellt natürlich auch den Leser vor eine große Herausforderung. Besonders das erste Kapitel wirkt auf Strecken holprig und ist einfach nicht schön zu lesen. Aber es ist das Dokument eines Lebens.
Oder ist doch alles einfach erfunden? Wie immer kann sich der Leser bei Pratt da nicht zu 100 Prozent sicher sein. Sein Tonfall ist mitunter einfach zu prahlerisch, seine Taten einen Tick zu heldenhaft, seine weiblichen Eroberungen zu gut. Dabei fällt mir wieder der großartige Umberto Eco ein, der einmal völlig zu Recht sagte: „Wenn ich mich entspannen will lese ich Engels. Steht mir der Sinn nach Ernsthaftem, lese ich Corto Maltese“. Pratt eben - Fiktion und Realität verschwimmen in seiner Kunst, wie in seinem Leben.
So startet die Autobiographie gleich mit seiner ersten Reise – Pratt war gerade einmal zehn Jahre alt – nach Afrika. Er macht eine Stippvisite nach Ägypten und reist weiter nach Äthiopien. Im Rückblick zeigt sich der Comickünstler als feiner Beobachter. Er entlarvt Großmachtdenken in seiner Familie und schloss erste Freundschaften zu den Einheimischen. Wie sein späterer Held Corto, überwindet Pratt schon in seinen ersten Jahren Grenzen und Konventionen.
Ergänzt wird der Band durch eine Vielzahl von Skizzen des Künstlers sowie privaten Fotos. Im Original ist der Text 1971, 1986 und 1987 veröffentlicht worden und jedes Mal mit neuem Bildmaterial versehen worden. Die vorliegende deutsche Ausgabe enthält nun alle Abbildungen der bisherigen Ausgaben. Außerdem noch eine Zeittafel nebst einer aktualisierten, umfangreichen Bibliographie. 



Texte zur graphischen Literatur 3 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Texte zur graphischen Literatur 3

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Edition Alfons

Preis:
€ 19,95

ISBN 13:
978-3-946266-15-0

160 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Authentizität
  • Bildauswahl
  • Endlich die Autobiographie auf deutsch
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 20.07.2019
Kategorie: Alben
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