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Comic-Besprechung - Kriegszeiten. Eine grafische Reportage über Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan

Geschichten:

Kriegszeiten. Eine grafische Reportage über Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan
Autor
: David Schraven
Zeichner / Colorist: Vincent Burmeister



Story:
Nachdem die USA am 11.09.2001 von Terroristen angegriffen worden waren, riefen sie den Bündnisfall aus und die NATO-Partner sicherten ihre, vertraglich festgelegte, Unterstützung zu. So auch Deutschland, welches sich an dem Afghanistaneinsatz beteiligte. Der Krieg gegen die Taliban war schnell gewonnen, doch aufgrund von Arroganz, Egoismus, Ignoranz und politischen Schachzügen droht der Frieden verloren zu gehen.

Meinung:

Kriegszeiten ist eine Comicreportage der beiden Deutschen Vincent Burmeister und David Schraven, die letztens erst einen semi-fiktionalen Band (Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland) über den Untergang einer Bohrinsel geschaffen hatten. Warum haben sie aber nun eine Reportage geschaffen? Um sich von dem im selben Verlag erschienenen Wave and Smile abzugrenzen? Nein, die beiden haben sich bewusst für einen Comic entschieden, obwohl es sich Schraven durchaus einfacher gemacht haben könnte, da er als ein Journalist andere Publikationsformen zur Verfügung gehabt hätte.


Indem sich die beiden für ein bildgesteuertes Medium entschieden, können sie so deutlich machen, wie sehr der Krieg in Afghanistan von Bildern und Wörtern entschieden wird. Oder besser gesagt: der Krieg in Afghanisten ist besonders auch von der deutschen Seite her ein Krieg der Bilder und der Wörter und ein wesentlicher Grund dafür, warum er verloren ist. Die Politik der Deutschen kann man am besten mit dem in diesem Land bösen Wort der Propaganda umschreiben. Man durfte den Konflikt keinesfalls als Krieg bezeichnen, denn dann wären die Veränderungen in der Bundeswehr und in der Außenpolitik sehr viel deutlicher geworden. Stattdessen benutzt man Worthülsen im Politsprech und kann sich damit aus innenpolitischen Gründen absichern und die Deutschen in Sicherheit wiegen. Allerdings wird so alles verwässert und verfälscht, denn die deutschen Soldaten sind keine reinen Brunnenbauer etc., sondern eben Soldaten zu deren Job es gehört zu töten und getötet zu werden. So zynisch es klingt. Aber eben allein die Tatsache, dass man es extra erwähnen muss, zeigt deutlich auf, wie sehr die Bevölkerung eingelullt worden ist.

Umso größer dann der Schock, wenn einer der Soldaten stirbt. Wie kann man bloß von Leuten getötet werden, wenn man ihnen netterweise einen Brunnen baut? Und dann beginnt wieder eine Diskussion über den Sinn des Einsatzes und vergisst darüber, dass man vertraglich dazu verpflichtet war, als die USA 2001 den NATO-Bündnisfall ausriefen. Weil die Soldaten nicht sterben dürfen, da es innenpolitisch dann Schwierigkeiten gibt, müssen sie mittlerweile im Camp bleiben, wenn es zu gefährlich werden könnte. Das ist so paradox, als ob Feuerwehrleute nicht mehr zu einem Brand fahren dürften, da es ja angesichts der Flammen gefährlich werden könnte. Die Mutlosigkeit, Heuchelei, Arroganz und Selbstsucht der Politiker werden zunehmend auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen, deren Leistung komplett, auch in der Öffentlichkeit und der Bevölkerung, übersehen wird. Da die Soldaten im Lager bleiben müssen, geraten sie in Gefahr, den Lagerkoller zu bekommen und wenn die Autoren Recht haben, sind viele der deutschen Soldaten nicht im Einsatz ums Leben gekommen, sondern haben Selbstmord begangen.

Dabei gehört den Soldaten eindeutig die Sympathie der Comicmacher und das kann und muss man angesichts der Situation verstehen. Die Politiker hingegen haben die ganze Misere erst verursacht und nur falscher Stolz und Eitelkeit hält sie in dem schwierigen Land. Welches sie im Übrigen überhaupt nicht verstanden haben und mit dem Entwicklungsgeld Warlords unterstützen, die selbst unter Afghanen als Kriegsverbrecher gelten. Stamesunterschiede, Eigentumsrechte, lokale Sitten und Gebräuche waren den Planern des Krieges offenbar vollkommen unbekannt (oder unwichtig) und haben somit erst die jetzige schwierige Situation geschaffen. Der Krieg war gewonnen, aber den Frieden hat man verloren, so dass bei Abzug der NATO-Truppen ein neuer Bürgerkrieg droht.

Mit all diesen Aspekten ist das Buch ein sehr diskutables geworden, da bei den Lesern elementare Meinungsunterschiede zusammenprallen können. Da wären etwa diejenige, die den Krieg strikt ablehnen, die Befürwörter und die Skeptiker. Jeder wird mit seiner vorherigen Meinung das Buch anders lesen. Leider werden nicht immer die Quellen haargenau offengelegt, was einer journalistischen Herangehensweise widerspricht.

Gerade die Behauptung, dass viele Soldaten Selbstmord begangen haben und es offiziell heisst, sie wären im Einsatz gefallen, erscheint überprüfungswürdig. Das lässt einen dann auch an anderen Stellen zweifeln. Dennoch ist Kriegszeiten ein sehr wichtiges Buch, weil es einen auch die eigenen Sichtweisen hinterfragen lässt. Was man auch inhaltlich von dem Band halten mag: die Interviews und die Berichterstattung zu dem Konflikt wird man nach der Lektüre mit anderen Augen sehen und das ist nicht zu unterschätzen und schon eine wichtige Leistung. Wenn man allein schon die politischen Reden mit diesem mehr an Hintergrundwissen kritisch hinterfragt, so ist schon viel gewonnen.

Die Illustrationen sind dem Inhalt eindeutig untergeordnet und teils sehr gelungen, indem die Auswahl des Bildgegenstandes gut ist. Aber leider geben die Bilder nur selten Zusatzinformationen. So fragt man sich manchmal, was sie eigentlich sollen, denn sie hätten, auch mit satirischen Einschlägen, noch viel mehr wirken und neue kritische Ebenen eröffnen können, wie es etwa David B. in seinem Sachbuch über die Geschichte zwischen den USA und der arabischen Welt geschafft hat.



Fazit:
Ein sehr diskutabler Sachcomic über den Einsatz der Deutschen in Afghanistan. Aus den Sympathien den Soldaten gegenüber wird kein Hehl gemacht, wohingegen alle Politiker als die wahren Übeltäter ausgemacht werden. Hier prallen bei jedem Leser eklatante Meinungsunterschiede aufeinander. Leider werden nicht alle Quellen offen gelegt, so das einiges nur Behauptung bleibt und auch die grafische Umsetzung bleibt unter ihren Möglichkeiten. Als Sensbilisierung geeignet, sollte man zumindest mal einen Blick hineinwerfen, aber eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ist es nicht.

Kriegszeiten. Eine grafische Reportage über Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Kriegszeiten. Eine grafische Reportage über Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 16,90

ISBN 10:
3551786984

ISBN 13:
978-3551786982

128 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Sensibilisierung gegenüber offiziellen Statements
  • Sichtweise der Soldaten berücksichtigt
  • Thema
Negativ aufgefallen
  • nicht alle Quellen offen gelegt
  • teilweise polemisch
  • Grafik bleibt unter Möglichkeiten
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 21.10.2012
Kategorie: One Shots
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