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Comic-Besprechung - Vakuum

Geschichten:
Vakuum
Autor / Zeichner / Colorist: Lukas Jüliger


Story:
Es ist der Beginn des Sommers. Der jugendliche Held hängt ein bisschen durch, da sein bester Freund Sho eine Nervenkrise durchmacht. Doch die sich anbahnende Liebe und Beziehung zu einem Mädchen macht das mehr als wett. Als ein Teenager durchdreht, hängen jedoch die Gefühlsebenen ziemlich schief und man versucht mit den Ereignissen klarzukommen.

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Ein Vakuum bezeichnet bekanntlich einen luftleeren Raum. Und Lukas Jüliger hat für sein Debüt damit einen sehr schönen, passenden Titel gefunden, denn seine Protagonisten haben kaum Luft zum Atmen und der Unterdruck, der in einem luftleeren Raum entsteht, droht sie zu zerstören. Sei es nun durch eine Explosion oder eine Implosion.

Vakuum ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen deswegen, da für ein Debüt eine große erzählerische Sicherheit und Kraft vorliegt, bei der die Story und die Charaktere immer überzeugen und dem Leser nahe kommen. Zum anderen da auch der Strich sicher ist und sich der Zeichner einiges traut. So zum Beispiel bei einem Fall den Bereich der Realität zu verlassen und ins Surreale zu reisen. Andere bleiben zur Sicherheit auf einer Ebene, aber Jüliger nimmt den Bruch der Erzählebene in Kauf und gewinnt das Wagnis, da diese surrealen Elemente nahtlos das Innenleben der Figuren widerspiegeln. Da ist dann kein ausufernder Off-Kommentar mehr nötig und zwingt den Leser zur direkten Beteiligung, da er sich selber manche Ebenen erschließen muss.

Vakuum
ist ein eindringlicher, schöner und gegen Ende erschütternder Band. Wobei hier schon das Talent zum Erzählen deutlich wird. Der Leser hat den Figuren und deren gemeinsamer Entwicklung so voller Empathie gefolgt und mit ihnen gelitten, getrauert und gehofft, dass sie einem wie Freunde vorkommen. Und ist am Ende ebenso wenig vorbereitet auf das Ereignis wie die Charaktere selber, so dass es einen kalt erwischt. Das ist meisterhaft und erschütternd, passt aber zum generellen Thema. Schließlich geht es hier in nicht geringem Maße um das Lebensgefühl von Teenagern. Und das wird sehr gut wiedergegeben und für jeden nachvollziehbar gemacht. Gut, das man sich da nicht auf die Hauptperson beschränkt, sondern ein ganzes Ensemble hat. Das ist voll süßer Liebe und Zärtlichkeit, doch gleichzeitig düster und morbid. Als ob ein typisches Sujet der Romantik in unsere heutige Zeit hinüber geholt worden ist. Eine der Hauptfiguren etwa ist süchtig nach positiven Gefühlen. Was weit mehr ist als ein Beispiel für Sucht generell, was schnell zu einem plakativen erhobenen Zeigefinger hätte werden können („Keine Macht den Drogen“), somit nicht nur ein Suchtverhalten beschreibt, sondern auch zeigt, das Positives, der Eskapismus, süchtig machen kann und dementsprechend andere Quellen vernachlässigt werden. Aber was die eine süchtig macht, droht einen anderen zu zerstören. Weniger die Droge, sondern das Glück, die Emotionen an sich. Womit zwei völlig konträre Stimmungszustände von Teenagern gefunden worden ist. Da diejenige, welche sich dem Erwachsenwerden hingeben, mit allem bewusst werden von Gefühlen der Liebe, der Erotik, des Sex, des Vertrauens, kurz der „erwachsenen“ Gefühle. Dort derjenige, der suizidal veranlagt ist und mit einem Übermaß an Gefühlen, den Stimmungsschwankungen der Teenager, die durch die Hormone ausgelöst werden, nicht klarkommt, und sich komplett abschottet. Fast schon in eine Katatonie gefallen, löst das Glücksgefühl beim ihm eine äußerst starke negative Reaktion aus. Andere wie der Held suchen ihr Gleichgewicht und ihren Weg. Wobei auch nicht verschwiegen wird, welche Bosheit in einem stecken und durch verletzte Gefühle hervorgeholt werden kann.

Das alles wird in starken expressiven Bildern umgesetzt welche nicht umsonst an den Underground erinnern. Sie illustrieren nicht einfach nur, sondern geben immer auch Zusatzdeutungen. Allein das die zart aufkeimende Liebesgeschichte und das Geschehen, welches im Sommer spielt, ganz gegen das Klischee illustriert worden ist, erhöht die Spannung. Es wird in dunklen Farben erzählt und fast immer türmen sich Wolken bedrohlich am Himmel. Keine heile Welt wird hier geschildert, kein Eskapismus geliefert, sondern im Kern ist der Band düster und realistisch. Und doch voller Liebe und Hoffnung. Ein Paradox, was dem Leser an das Herz geht. Beachtlich. Man sollte den jungen Autor und Zeichner definitiv im Auge behalten.


Fazit:
Ein beachtliches Debüt, das scheinbare Gegensätze mühelos miteinander verbindet: Liebe und Morbidität, Glück und Unheil, wehmütiger Abschied von der Kindheit und drohende Zukunft. Selten wurde die Erlebniswelt von Teenagern so eindringlich wiedergegeben ohne jemals plakativ zu sein. Zum Träumen und Fürchten. Hervorragend.

Vakuum - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Vakuum

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 20

ISBN 10:
3943143155

ISBN 13:
978-3943143157

112 Seiten

Positiv aufgefallen
  • zum Träumen und Fürchten
  • hervorragende Wiedergabe der Erlebniswelt von Teenagern
  • niemals plakativ sondern realistisch
  • gegen Klischee gezeichnet mit surrealen Einschüben
  • dichte Psychologie der Charaktere
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
3
(2 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 08.03.2013
Kategorie: One Shots
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