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Comic-Besprechung - Little Bird 1: Der Kampf um Elder`s Hope

Geschichten:
Little Bird 1: Der Kampf um Elder`s Hope (Little Bird 1: The Fight for Elder`s Hope)
Autor: Darcy van Poelgeest, Zeichner: Ian Bertram, Colorist: Matt Hollingsworth


Story:
Kanada wird von der neuen amerikanischen Regierung besetzt. Die USA haben sich zu einem Religionsstaat mit diktatorischen Eigenschaften entwickelt und unter dem Vorwand den nördlichen Nachbarn missionieren zu wollen,  sind sie doch nur auf die Bodenschätze aus. Doch Rebellen erheben sich und nachdem ihre Mutter scheiterte, macht sich nun die Tochter, genannt Little Bird, auf, um einen legendären Krieger aus dem Gefängnis zu befreien und die Rebellion wieder zu beleben.


Meinung:
Mit was für Vorschusslorbeeren kommt dieser dicke erste Band von der Serie Little Bird nach Deutschland angeflogen.  Gewinner des Eisner Award 2020, nominiert für den Harvey Award 2020 und lobende Zitate auf dem Buchrücken welches ihn als Meisterwerk preisen. So kommt er auch in einem stattlichen Format welches die Zeichnungen gut zur Geltung bringt und man ist gespannt.

Leider entpuppt sich der vermeintlich stolze Adler dann doch nur als kleiner Vogel der statt majestätisch über die Berggipfel zu schweifen, müde vor sich hin piepst.  Was vor allem an den  geweckten Erwartungen liegen könnte womit man dem eigentlichen Band keine Vorwürfe machen dürfte.
Das Problem ist vielmehr das hier absolut nichts neu ist und deswegen die Lobeshymnen und Auszeichnungen etwas überraschen. Entweder haben die Beteiligten die letzten Jahrzehnte des Mediums verschlafen oder sind zu jung dafür oder haben einfach, was noch wahrscheinlicher ist, die Entwicklungen und Geschichte des europäischen Comicmarktes ignoriert. Was man dem Autor und dem Zeichner der Serie nicht gerade vorwerfen kann.  Dystopische Science-Fiction ist heutzutage eher die Norm als die Ausnahme und spiegelt die schwierigen Zeiten wider in denen man sich offenbar keine schöne glückliche Zukunft mehr ausmalen kann. Egal, negative Zukunftsszenarien waren immer die Regel, da ja auch eine Warnung vor aktuellen Tendenzen beinhaltet ist, die auch wichtig ist.

Zunächst wird hier einmal wieder Kanada durch die USA überfallen. Kennt man auch. We stand on Guard ist auch noch nicht so alt als dass man die Actiongeschichte vergessen hätte.  Ausgelöst durch die religiöse Rechte, welche die Regierung übernommen hat und als  Mischung aus Vatikanstaat und faschistischer Diktatur geschildert wird, soll Kanada missioniert werden. Was eigentlich bedeutet, dass die Rohstoffe ausgebeutet werden. Die Parallelen zu realen Ereignissen sind offenkundig. Krieg als Mittel zur Wirtschaftsmacht, religiöse Rechte sind zurzeit wieder am Erstarken und haben sogar mit Trump ein surreales Zerrbild. Das weist zwar alles erschreckenderweise aktuelle Bezüge auf, ist aber auch nicht neu. Die Parallelen Faschismus und Religion wurden schon öfter gezogen, moralische Argumente zur Verschleierung wirtschaftlicher Interessen sind uralt und man hat das als europäischer Leser schon sattsam zu alten Schwermetall-Zeiten gelesen. Auch die esoterisch spirituellen Ausflüge erkennt man nicht als neu, sondern assoziiert man eher mit Moebius und wenn man ihn nicht mag oder mit ihm nichts anfangen kann, erschwert das hier zusätzlich den Zugang. Natürlich müssen übrigens die Widerständler Indianerstämmig sein, da sie ja erdverbunden sind und somit noch das Klischee bedienen. Ihr Elitekrieger ist dann aber mehr einem Berserker der Wikinger nachempfunden und auch wieder Assoziationen, diesmal an Wolverine, erweckt.

Es ist ein einziges Gemenge und Gemetzel. Immer wieder werden Einflüsse zusammengebracht und die Story wird durch immer wiederkehrende Massaker, Gemetzel und Splattereinlagen aufgebrochen. Immerhin gibt es hier einige Brüche mit Konventionen. Ja, es ist brutal und in der Kombination mit den persönlichen Schicksalen auch erschütternd. Aber da der erzählerische Fokus schon fast mehr auf den Bösewichtern liegt, lässt es einen doch emotional kalt, da so die Heldin unfassbar bleibt und im Grunde keine Charakterisierung besitzt. Auch gibt es viele Handlungslücken und ehe man sich fragt wie eigentlich die sehr junge Heldin die Rebellengruppe rekrutieren konnte und wie sie ihren Status als Anführerin bekam, werden diese schon wieder abgeschlachtet.

Dazu kommt noch das die schicksalhafte Verbindung der Hauptfiguren unnötig ist und sehr aufgestülpt wirkt. Das ist alles irgendwie ganz nett, ermüdet aber auch da man sich immer wieder fragt woher man dieses Element gerade schon wieder kennt.

Vielleicht ist es  ja alles postmodern aufzufassen, aber dafür sind weder die Zitate und Verweise eindeutig genug, noch fehlt die dazugehörige Ironie. Man mag es als „Best Of“ lesen, aber wer braucht das dann? Es kann eben auch sein, dass man einfach keinen Zugang dazu findet. Vielleicht gibt es hier auch kein dazwischen. Entweder man mag den Band oder nicht, was für einen Kultcharakter spricht. Der Rezensent mochte ihn nicht, kann aber ansatzweise verstehen was andere daran finden mögen. Aber einen Zugang zu finden fand hier nicht statt.


Fazit:
Die Voraussetzungen für einen Kult-Comic sind gegeben. Entweder man liebt ihn oder man findet keinen Zugang. Allerdings ist hier nichts neu und man ermüdet recht schnell dabei.


Little Bird 1: Der Kampf um Elder`s Hope - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Little Bird 1: Der Kampf um Elder`s Hope

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Cross Cult

Preis:
€ 35

ISBN 10:
3966582104

ISBN 13:
978-3966582100

208 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Action und Sozialkritik
  • postmodernes Zitatenspiel
Negativ aufgefallen
  • alles nicht neu
  • esoterisch spirituelle Mätzchen
  • Brüche in der Handlung
  • Heldin wird aus den Augen verloren
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
4
(1 Stimme)
Bewertung
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Rezension vom: 25.01.2021
Kategorie: Alben
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