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Comic-Besprechung - Spirou und Fantasio Spezial 32

Geschichten:
Pacific Palace
Text: Christian Durieux 
Zeichnungen: Christian Durieux 


Story:
Pacific Palace, ein friedliches Luxus-Hotel am Rande eines Sees, der ebenso friedlich ist. Spirou bereut es bereits, Fantasio, der von seiner Zeitung gefeuert wurde, als Mitarbeiter empfohlen zu haben. Denn der zum Hotelpagen gewordene Ex-Journalist ist wirklich nicht berufen und lässt keine Gelegenheit aus, ihren Vorgesetzten zu ärgern. Zudem ist er einer der faulsten Pagen, die das Hotel jemals gesehen hat. Aber sowohl sein Chef, als auch Spirou werden den Müßiggänger nicht los, denn plötzlich wird der ganze Hotelkomplex hermetisch abgeriegelt. Grund ist der Besuch von Iliex Korda, einem Diktator, mit seinem Gefolge. Neben einer Reihe von imposante Leibwächter gehört dazu auch Elena, die Tochter des „Großen Führers“ mit dem betörenden Blick, in die sich Spirou sofort verliebt. Während Fantasios Reporterseele erwacht und er keine Gelegenheit auslässt, die Entourage des Tyrannen zu provozieren, versucht Spirou, das seltsame politische Ballett zu verstehen, das sich fast vor seinen Augen abspielt.



Meinung:
Schon 32 Bände umfasst die Serie „Spirou und Fantasio Spezial“. Eine erstaunliche Leistung. Ich bin bei dieser Spin-Off-serie immer hin und her gerissen. Einerseits faszinieren mich die genialen Einfälle der Künstler, die eine besondere Sichtweise auf Spirou haben und andererseits denke ich mir, dass der Verlag die Melkkuh „Spirou-Leser“ bis aufs äußerste auslaugen will. Aber vermutlich ist es gerade diese Nebenserie, die dafür sorgt, dass der Comicheld nicht verstaubt, wie es so viele andere Klassiker tun.
Mit dem vorliegenden band verlässt Durieux das Terrain der spielerischen Abenteuer, wie es so oft prägend war für die Serie. Das Album erlaubt eine politische Interpretation in der Art von Emile Bravos „Spirou“. Durieux hat nach eigenen Angaben seit 1993 an diesem Projekt gearbeitet, als die osteuropäischen Diktaturen nach dem Fall der Mauer zerfielen. Dementsprechend siedelt er seinen Phantasiestaat Karajan irgendwo auf dem Balkan an, der von den erdbebenartigen Veränderungen Ende der 1980er und Beginn der 1990er-Jahre besonders betroffen war. Durieux stellt dem Leser mit seiner Geschichte eine einfache Frage: Was würde Frankreich tun, wenn ein Diktator, zu dem es enge Beziehungen hatte, nach seiner Absetzung dort Zuflucht suchte. 
Möglicherweise hat der Autor den ehemaligen rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu vor Augen gehabt, als er seinen Korda erfand. Eine leichte optische Verwandtschaft ist den beiden nicht abzusprechen, wie beispielsweise die buschig hervortretenden Augenbrauen.
Inhaltlich lehnt sich Durieux aber eher an die Vita von Jean-Claude Duvalier, dem Diktator Haitis, an. Der Tyrann wurde ähnlich Korda 1986 in Frankreich in einem Palast am Ufer des Annecy-Sees empfangen. Durieux macht sein Album so zu einer politischen Fabel über die Kompromisse der Macht. Wobei die größte Hauptleistung des Autoren sein dürfte, dass er nicht mit dem Holzhammer philosophiert, sondern seine Botschaften subtil unters Lesevolk streut. 
Bemerkenswert ist, wie Durieux mit der Spirou-Tradition bricht – sowohl zeichnerisch, noch viel mehr aber inhaltlich. Das Spirou-Personal des Bandes, bestehend aus Spirou, Fantasio und Stephanie – ist zwar hinlänglich bekannt, damit endet aber auch schon die Vertrautheit. Durieux nimmt den Leser an die Hand und führt ihn auf unbekanntes Terrain. Wir begeben uns nicht nur in das „Haifischbecken“ politischer Subtexte oder Interpretationen, denn das tat Bravo auch schon, sondern der belgische Künstler fragt die moderne Gesellschaft nach Lösungen. Was würden wir tun wenn…
Bravo hat in seinen erstklassigen Bänden die Geschichte aufgerollt und interpretiert. Durieux befragt jeden Leser zu einem hoch aktuellen Thema. Spirou wird Erwachsener und könnte mit diesem Album ganz neue Leserkreise aufschließen. Und mit dieser Leistung reiht sich der Band ein in die Galerie der guten Comics aus „Spirou und Fantasio Spezial“: Hin zu was Neuem und keine Melkkuh für die Leser.



Fazit:
Ein ambitioniertes Album, das einem Theaterstück gleicht. Gezeigt wird eine politische Fabel, über der sich viele schlaue Menschen noch lange Gedanken machen können. Ich gebe neun von zehn Pips.



Spirou und Fantasio Spezial 32 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Spirou und Fantasio Spezial 32

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 13

ISBN 13:
978-3-551-78044-7

80 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Weiterentwicklung des Klassikers
  • Politische Fabel
  • Artwork
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 02.05.2021
Kategorie: Alben
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