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Comic-Besprechung - Tenebrae 1

Geschichten:

Tenebrae 1
Autor: Hubert, Zeichner: Vincent Maillé, Colorist: Bruno Tatti



Story:

Arzhur war einst ein Ritter bis er eine Tat begang die ihm nicht verzeiht werden kann. Als Ausgestossener fristet er ein Leben als Söldner und nur sein Knappe hält zu ihm. Eines Abends machen ihm drei alte Frauen ein Angebot: Arzhur soll eine gefangene Prinzessin retten die von einem Monster bewacht wird. Ihn lockt nicht nur das Gold, sondern auch die Aussicht vom Vater der Prinzessin wieder in den Stand des Ritters erhoben zu werden. Doch alles ist anders als es aussieht und Arzhur sieht sich in einer Intrige verwickelt die nichts weniger als Zerstörung zum Ziel hat.



Meinung:

Die Serie Tenebrae fängt recht klassisch an. Im Kern geht es um eine typische Quest eines Ritters und ist somit ein Rückgriff auf die Erzählmuster des Minnesangs und der Grundlage aller Fantasy. Doch wer die Schöpfer Hubert und Maillé kennt, weiß das sie selten Klischees verfolgen und trotz der Ausgangslage das ein Ritter eine Prinzessin retten soll die von einem Drachen bewacht wird, ist es ein ungewöhnlicher Weg. 

Es wird schnell klar das Klischees auf den Kopf gestellt werden. Der Ritter Arzhur, nicht umsonst unterscheidet sich der Name nur von einem Buchstaben von dem Idealbild eines Ritters Arthur, ist ein Ausgestoßener der von allen aufgrund einer Tat verachtet wird. So begegnet man ihm als erstes wie er sturzbetrunken in einer dreckigen Gasse zusammengeschlagen wird. Er hat nichts Edles an sich und der Ritterstand ist ihm abhandengekommen und auch die Ehre die damit verbunden ist da er mittlerweile als Söldner dient. So kommt es ihm gelegen als er die Prinzessin retten soll. Nicht nur das ihm Gold winkt, sondern er hofft auch auf eine Rehabilitation indem vielleicht der König ihn dann wieder in Stand setzt. Gedanklich befindet sich der Charakter also mitten im Genre und seine Ziele, seine Träume scheinen Genreklischees zu entspringen.
Dumm nur das die Prinzessin nämlich gar nicht gerettet werden will und Arzhur muss schnell erkennen das er Opfer einer Intrige wird. Archetypen werden hier genutzt aber ausgehöhlt. Die weisen Alten sind die Urheber des Bösen, der tapfere Held ist kein Held wider Willen, versagt aber bei seinem Wachstum. Die schöne Lady in Nöten ist die eigentliche Bedrohung und die Feinde kommen nicht von außerhalb, sondern befinden sich im Familienverbund. Man weiß einfach nicht was man vom wem erwarten darf und das macht die Lektüre sehr spannend. Die Geschichte parodiert die Genrezüge nicht, nutzt sie aber geschickt, um andere Schwerpunkte zu setzen.

So kann man hier etwa den Gegensatz Naturverbundenheit versus Zivilisation ausmachen. Die Prinzessin Islen ist etwa Vegetarierin und besitzt die Gabe mit Tieren zu sprechen was zu einigen sehr schönen, poetischen und witzigen Szenen führt. Allen voran die mit dem Eichhörnchen. Gemäß dem Dualismus ist dann alles in der Stadt, also in der Zivilisation, schlecht, verkommen und böse. Aber das wäre zu einfach und die Serie heißt nicht umsonst auf lateinisch „Dunkelheit“ oder „Finsternis“. Denn der Natur wohnt auch zerstörerische Kraft inne wie sie auch hier in manchen Charakteren vorkommt. Und so weichen vor allem die gerade im Genre der Fantasy so eindeutigen Grenzen zwischen Gut und Böse auf. Die Bösen wollen sich schützen und die Guten besitzen zerstörerische Macht.

Die Faszination die der Inhalt zunehmend verbreitet liegt natürlich auch stark in den Zeichnungen begründet die sehr dynamisch sind und je nach Szene eine passende Stimmung erzeugen können wobei sie sich nicht nur der Farbe Schwarz bedienen. Stattdessen ändern sich dann auch die Perspektiven und Islen wirkt etwa durch die Untersicht sehr bedrohlich. Manche Passagen sind sogar purer Horror, etwa wenn die Stadt von Ratten angegriffen wird. Kleinere Fehler etwa wenn eine Rüstung auf einmal blutbespritzt ist wenngleich kein Kampf zu sehen gewesen ist, sind somit verschmerzbar.

Insgesamt also ein sehr faszinierender Band dessen Fortsetzung man kaum erwarten kann.



Fazit:

Geschickt werden Archetypen ausgehöhlt und alle Klischees auf den Kopf gestellt. Poetische Szenen wechseln mit Horror und man geht durch ein Wechselbad der Gefühle. Zudem verwischen die genretypischen Grenzen zwischen Gut und Böse. Faszinierend.



Tenebrae 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Tenebrae 1

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 18,00

ISBN 10:
3967923649

ISBN 13:
978-3967923643

80 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Aushöhlung Archetypen
  • wechselnde Stimmungen
  • Aufhebung Grenzen Gut und Böse
  • witzig, dramatisch, düster, poetisch
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 11.10.2022
Kategorie: Alben
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