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Comic-Besprechung - Bang Bang 4: Frauengefängnis

Geschichten:

Bang Bang 4: Frauengefängnis
Autor: Carlos Trillo, Zeichner: Jordi Bernet



Story:

Cicca lebt ein unbeschwertes Leben in einem Fischerdorf. Doch allmählich langweilt sie das ruhige Leben voller Sonne, Strand, Alkohol, Essen und Sex. Sie beschließt einen Abstecher zum Karneval in Rio zu machen, doch dort kommt sie nie an. Nach einem Abstecher zu den Amazonen und anderen Stationen findet sie sich sogar in einem Frauengefängnis voller Sadisten wieder.



Meinung:

Bang Bang ist nicht nur eine Comicserie mit pornographischen Sequenzen. Selbstverständlich geht es auch darum, Lust zu erwecken, aber es ist auch eine parodistische Reise der Heldin Cicca. Jeder Band war bisher von dem Tonfall her anders und deckte eine unterschiedliche Station ab.  Dabei ist das auch eine parodistische Abhandlung verschiedener Genres was neben den erotischen Szenen einen Großteil des Reizes der Serie ausmacht.

Der erste Band hatte zwar einen ironischen Ton indem er genüsslich Gangsterfilme der 1930er zitierte, war aber von der Handlung her noch ein bisschen unbeholfen. Im zweiten Band verschlug es die Heldin in die mexikanische Revolution, also in den Western, aber der parodistische Ton wurde durch die Vergewaltigungsphantasien erdrückt. Ganz zur Geltung kam es erst im dritten Teil wenn eindeutige Verweise etwa auf King Kong oder auf Klischees des Abenteuergenres vorgenommen wurden.

Zu Beginn des vierten Bandes ist Cicca in einem kleinen Fischerdorf angelangt und lebt dort den Wunschtraum vieler: nichts tun, Sonne, Strand, Rum, gutes Essen und Sex. Da dürften sich wohl alle wiederfinden und zugeben, dass sie mal davon geträumt haben. Hier nimmt es eine überraschende Wendung insofern da es Cicca eindeutig langweilig wird. Es gibt Spannungen im Dorf aufgrund ihres Lebenswandels aber bevor sich diese bedrohliche Stimmung entlädt, entschließt sich Cicca auf den Weg zu machen. Sie will zum Karneval in Rio und verlässt freiwillig das vermeintliche Paradies. Langweilig wird ihr und der Leserschaft dann aber nicht mehr, denn sie gerät in haarsträubende Situationen.

Wie es der Titel Frauengefängnis schon sagt wird hier ein Ausflug in Exploitationfilme unternommen und auch wenn die Story in den1930ern spielen mag, so werden hier nun die Sleaze-Movies und das Grindhousekino der 1970er auf das Korn genommen. Was noch überraschender ist: bisher herrschte ein männlich dominierter Chauvinismus vor, vor allem bei Band zwei, und hier nun werden manche Phantasien nicht nur entlarvt, sondern auch zerstört indem die Kehrseiten gezeigt werden. Ironisch: ein Sexcomic der Phantasien befriedigen soll, demontiert ebensolche und ist nahezu postmodern zu nennen was den Band zu einem einzigen Vergnügen macht.

Zunächst begegnet Cicca nämlich jemandem der von Amazonen gefangen gehalten worden war. Ein Dorf voller Frauen und nur ein Mann. Ein Wunschtraum. Meint man(n).  Der Überlebende ist nämlich zutiefst traumatisiert. Wunschtraum ade. Cícca gerät nun selbst in das Dorf und muss das überstehen. Dann gibt es einen kleinen Ausflug in das Fantastische was erst irritiert, aber eine Andeutung auf Reiseberichte etwa eines Marco Polo ist der fantastische Menschen anderer Länder beschrieb, aber dort seine Fantasie walten ließ.

Schließlich kommt das Frauengefängnis. Viele der Exploitationfilme die dieses Sujet behandeln schwelgen in Sadismus, Brutalität, Sex und zeigen wirre Fantasien auf die verstören können. Hier nun ist aber alles anders als gedacht. Es dreht sich zwar alles um Sex, aber es gibt kaum welchen und es wird zunehmend absurd und zeigt damit auch auf wie sehr die Fantasien demontiert werden.

Endgültig absurd wird es wenn Mengele auftritt. Was zeitlich ein Paradoxon ist. Eigentlich spielt die Serie in den 1920ern bzw. 1930er Jahren. Aber wie kann dann Mengele als alter Mann im südamerikanischen Dschungel seinen grausamen Experimenten frönen? Egal, es geht nicht um historische Genauigkeit, sondern um den Wahnwitz des Grindhousekinos und wo der wahre Horror steckt.

Die Story in diesem Band ist aberwitzig und damit lustig, pures Camp, erweckt und demontiert Phantasien gleichermaßen in einem postmodernen Stil und punktet auch durch die Zeichnungen. Nicht nur durch die schönen Zeichnungen von Frauen, sondern es wird hier teils auch durchaus surreal und die Zeichnungen weisen wunderbare Ideen auf. Etwa die Traumsequenz wenn Schatten scheinbar lebendig werden. So wird immer mehr der Chauvinismus unterlaufen und die Serie frönt hemmungslos dem Trash und deckt diesen mit seinen Klischees auf. Sehr schön.



Fazit:

Sehr schön. Hier werden nicht nur Fantasien bedient, sondern auch demontiert  und der Tonfall wird immer parodistischer wenn man sich nun dem Exploitation- und Grindhousekino annimmt. Trash pur und damit wahrlich vergnüglich.



Bang Bang 4: Frauengefängnis - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Bang Bang 4: Frauengefängnis

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
All Verlag

Preis:
€ 19,80

ISBN 10:
3968042174

ISBN 13:
978-3968042176

66 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Fantasien aufgezeigt und demontiert
  • Parodie auf Exploitationfilme
  • gute zeichnerische Ideen
  • Twists
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 10.12.2023
Kategorie: Alben
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