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Comic-Besprechung - Joe Hill: Im tiefen, tiefen Wald

Geschichten:
Joe Hill: Im tiefen, tiefen Wald (The Low, Low Woods 1-6)
Autor: Carmen Maria Machado, Zeichner / Inker: Dani, Colorist: Tamra Bonvillain


Story:
Die beiden Schülerinnen Octavia und Eldora sind beste Freundinnen seit sie in dem Wald der das kleine Heimatstädtchen umgibt einer seltsamen Kreatur entkamen. Jahre später fehlt ihnen nach einem Kinobesuch die Erinnerung und dadurch verunsichert begegnen sie auch noch auf dem Heimweg einer seltsamen Kreatur. Fortan wollen sie das Rätsel um ihre Heimatstadt lösen was sie in allergrößte Gefahr bringt.


Meinung:
Mit Im tiefen, tiefen Wald liegt wieder ein abgeschlossener Einzelband unter der Schirmherrschaft von Joe Hill als Namensgeber des DC Imprints vor welches wiederum unter dem Black Label erscheint, also deutlich erwachsenere und härtere Horrorgeschichten erzählen kann. Hill fungierte dabei nicht nur als Auftaktautor (mit Ein Korb voller Köpfe), sondern vor allem als Schirmherr und Kurator. Er gibt also nicht nur seinen Namen  her, sondern dürfte auch die kreativen Teams unterstützen. Dafür spricht, dass er nicht nur auf altbewährte und erfahrene Autoren wie Mike Carey (Das Puppenhaus) zurückgreift, sondern auch Comicdebütanten eine Möglichkeit gibt.

Das ist vor allem hier der Fall. Die Autorin Carmen Maria Machado ist zwar als Autorin nicht unerfahren und hat als Schriftstellerin auch schon einige Preise gewonnen, aber bislang noch nie einen Comic geschrieben gehabt. Auch die griechische Zeichnerin Dani dürfte vor allem hierzulande, aber auch in den USA, noch nicht sonderlich bekannt sein. Zwar hatte sie Arbeiten für The Dreaming und Harley Quinn abgeliefert, aber einen Namen hat sie sich noch nicht gemacht, was sich mit diesem Band doch ändern dürfte.

Angesichts zweier „Neulinge“ mutet der Rückgriff auf ein Setting in den 1980ern auch eher als eine Art Rettungsleine an. Da man wohl hofft die Fans von Stranger Things abholen zu können und dem damit verbundenen Retro-Feeling was sich zurzeit vor allem bei den 80ern austobt. Aber damit tut man den beiden Damen Unrecht, denn der Rückgriff auf die 1980er ist weit mehr als reine Nostalgie, sondern die kritischen Untertöne welche hier geschildert werden, ist vor allem auch dem Jahrzehnt geschildert. Das liegt vor allem daran das die weiblichen Heldinnen, wie deren Autorin, lesbisch sind. Heutzutage ist das, abgesehen von reaktionären Kreisen, kein großer Aufreger mehr und Homosexuelle haben schon längst ihren Platz im Mainstream und es gibt kaum noch eine Soap Opera oder TV-Serie welche nicht einen homosexuellen Charakter besitzen würde wo das Geschlechtsleben auch nicht mal sonderlich hervorgehoben wird. In den 1980ern war das anders. Gerade zu Zeiten von AIDS sahen sich die Homosexuellen noch mal  vielen Vorurteilen ausgesetzt, traten aber gleichzeitig den Weg in die Akzeptanz und des Mainstreams an (auch wenn das noch etwas dauern sollte).

In dem Comic ist man also an dem Punkt das lesbische Beziehungen noch  nicht gesellschaftlich akzeptiert waren, sich aber anfingen von der Subkultur zu lösen. So ist Freundschaft und Liebe hier ein ganz großes Thema, aber es geht nicht um ein Coming Out. Zwar kommen Unsicherheiten und Liebeskummer und ein geheim halten der Sexualität vor, aber vorrangig ist hier ja eine Horrorgeschichte vorhanden.

In einem kleinen Ort unter dessen Boden ein permanentes Feuer brennt, was durch in Brand geratene Kohleminen verursacht wird (historisch übrigens verbürgt), geschehen merkwürdige Dinge. Frauen verlieren ihr Gedächtnis und wachen oft an Orten auf ohne zu wissen wie sie dahinkommen, Männer verschwinden und in den Wäldern streifen Monster umher. Da vieles angedeutet wird und  vor allem durch die Atmosphäre lebt, ist das über die ersten vier Kapitel sehr spannend. Dann wird aber ein dramaturgischer Fehler begangen und im fünften Kapitel alle Hintergründe und Erklärungen gegeben was allerdings zu abrupt und ohne wirklich erzählerische Not erfolgt. Sprich: die Person welche alles erläutert hätte das schon vorher machen können und es gibt jetzt kaum eine Steigerung oder einen Zwang der sie zur Offenbarung zwingt. Das wirkt holprig und hätte besser Schritt für Schritt aufgedeckt werden können. Das Finale im sechsten Kapitel macht aber einiges durchaus wieder wett und stellt nicht nur wieder die Homosexualität in den Fokus, sondern hat vor allem einen feministischen Touch der nun die ganze Horrorgeschichte bedingt.

Von der Struktur her schwächelt also vor allem die zweite Hälfte und auch die Erzählperspektive der Off-Kommentare ist meist  unklar. Vor allem im ersten Kapitel neigt man dazu sie der falschen Person zuzuordnen. Dennoch ist der Band äußerst interessant was vor allem an den Subthemen liegt, die nicht aufgesetzt wirken, sondern sich als wesentlich für die Story und das Setting herausstellen.


Fazit:
Leider schwächelt der Band dramaturgisch in der zweiten Hälfte, aber die Kombination aus Horror, Homosexualität und Feminismus mit einem Retro-Feeling ist ansonsten überzeugend.


Joe Hill: Im tiefen, tiefen Wald - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Joe Hill: Im tiefen, tiefen Wald

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 19,00

ISBN 10:
3741620149

ISBN 13:
978-3741620140

160 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Setting
  • Verbindung Horror, Coming Out Geschichte und Feminismus
  • unheilvolle Atmosphäre
Negativ aufgefallen
  • dramaturgisch schwaches fünftes Kapitel
  • Off-Kommentar
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Rezension vom: 10.02.2021
Kategorie: Hefte
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