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Comic-Besprechung - Carbon & Silizium

Geschichten:

Carbon & Silizium

Autor: Mathieu Bablet

Zeichner: Mathieu Bablet

Übersetzer: Sophie Beese



Story:

In einer nahen Zukunft forscht man an der Weiterentwicklung von KI’s, und auch an deren praktischer Anwendung. Hierzu hat man Androiden entwickelt, die von Menschen kaum zu unterscheiden sind, und ihnen in der Praxis schwere und unangenehme Arbeiten abnehmen sollen. Doch noch ist man am Anfang dieser Entwicklung, und die aktuell stärkste KI soll zur Erprobung kommen, indem man sie direkt in zwei Androiden zugleich einspeist, die weibliche Carbon und den männlichen Silizium. Doch man hat den „natürlichen” Freiheitsdrang und die Neugierde dieser Intelligenzen unterschätzt, und sie unternehmen sehr bald den ersten Versuch, sich unabhängig zu machen, und versuchen zu fliehen. Kann man solche Intelligenzen wirklich noch beherrschen, und was muss man tun, damit dies gelingt? Und wie verändert das die Gesellschaft als Ganzes?



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Nach dem Überraschungserfolg von „Shangri-La” (ebenfalls bei Splitter) ist dies das insgesamt vierte Buch von Mathieu Bablet, nach „La belle mort” (dt. etwa: Der schöne Tod) und „Adrastée”. Wie schon in den Vorgängerbänden erzählt Bablet hier eine Geschichte in der mehr oder weniger weit entfernten Zukunft, die er absolut nicht als rosig vorhersieht, sondern in seinen Bildern eher als dem Zerfall und der völligen Vermüllung anheimgegeben erwartet, mit zugleich einer völlig kargen Natur und zerfallenen Großstädten im Hintergrund. Dies klingt zuerst einmal sehr morbide und destruktiv, doch haben seine Zeichnungen einen einzigartigen Charme und können trotz der objektiv gesehen traurigen Darstellungen faszinieren und sogar verzaubern. Das liegt nicht zuletzt an seinem sehr individuellen Zeichenstil, von dem man inzwischen sicher sagen kann, dass er sich als absolut eigenständig in der Comicwelt etabliert hat, der vielleicht nicht mit solchen Größen wie Pratt, Druillet, Andreas oder Baru vergleichbar ist (was aber immer noch eine Geschmacksfrage bliebe), auf jeden Fall aber ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal aufweist: er ist absolut einzigartig, bisher nicht kopiert worden, und sofort als aus seiner Hand entstanden erkennbar. Und das will schon etwas bedeuten bei einem jungen Nachwuchskünstler, der erst seit 2011 veröffentlicht! Seine Figuren sind seltsam eckig, teilweise wenig detailliert (er mag z.B. offensichtlich keine Füße zeichnen, und so lässt er sie oft in der Perspektive „verschwinden”), doch immer proportional korrekt und aus vielfältigen Blickrichtungen dargestellt. Manchmal sind die einzelnen Figuren besser an ihrer Kleidung identifizierbar als an ihren Silhouetten oder Gesichtern (was aber mehr für „Shangri-La” gilt als für „Carbon & Silizium”). Umso detaillierter sind seine Dekors: meist weitläufige Großstadtpanoramen mit unendlich scheinenden Fensterfassaden, mit großartigen Landschaftsdarstellungen (allerdings meist ausgetrocknet und karg) und vollgestopften Innenräumen. Das alles wird von einer Kolorierung gekrönt mit eher pastellartigen Farbtönen, in denen fast immer ein beiger Grundton überwiegt oder zumindest eingearbeitet ist, was mit zur Einzigartigkeit seiner Zeichnungen beiträgt. Und seine Darstellung und Kolorierung einer Welt innerhalb des „Netzwerk” genannten Internets ist einfach grandios.

Zugleich sind seine Figuren in allen Büchern von einer tiefen Menschlichkeit durchdrungen, sie haben vielleicht ihre Fehler, doch es sind im Grunde „gute” Menschen. Dies gilt auch für diesen Band, zwar angewendet auf KI’s, die aber eben sehr „menscheln”. Denn die Originalität dieser Erzählung liegt in der Annahme, dass eine KI, einmal losgelassen, eben nicht zwangsläufig zur Gefahr für die Menschheit werden muss, da sie aufgrund ihrer hohen Intelligenz vor Gewalt zurückschreckt, anders als der Mensch (und so gar nicht auf die „5 Gesetze der Robotik” von Isaac Asimov angewiesen ist, um „gut” zu sein, und erst recht nicht zu einer Bedrohung werden muss wie in „Terminator” oder „Matrix”). Doch Bablet sieht voraus, dass die Menschheit solch einen „Feind” gar nicht benötigt, um sich selbst zugrunde zu richten, das erreicht sie durch moralische Schwäche, Süchte und Selbstsüchte sowie ihren angeborenen Drang zu Zerstörung und Zerfall schon ganz allein.

Das Buch greift damit zahlreiche aktuelle und alte Themen auf, ohne dabei belehrend zu wirken: unser Verhältnis zu Technologie, Umwelt und zueinander, zu Freiheit, Individualität und Rassismus — um nur einige zu nennen. Aber nicht zuletzt erzählt es auch eine Liebesgeschichte. 

Es bleibt zu hoffen, dass sich auch für die beiden bisher unveröffentlichten Werke noch ein deutscher Verleger finden lässt.



Fazit:

Wieder ein großer Wurf von Mathieu Bablet, eine lange aber niemals langweilige Saga über die mögliche Zukunft aus der Sicht zweier KI’s. Absolut zu empfehlen.



Carbon & Silizium - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Carbon & Silizium

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Splitter

Preis:
€ 45,00

ISBN 10:
3967923959

ISBN 13:
978-3967923957

272 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Großartiger Zeichenstil, absolut einzigartig.
  • Sehr einfühlsame Geschichte, die den Leser bis zuletzt festhält.
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(2 Stimmen)
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Rezension vom: 14.03.2023
Kategorie: Alben
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