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Comic-Besprechung - Das große Los

Geschichten:

Das große Los

Autor und Zeichner: Joris Mertens

Übersetzer: Axel Rothkamm



Story:

François, seines Zeichens Auslieferer bei der Wäscherei Bianca, führt ein eher ruhiges Leben, voller Routinen und im Augenblick aufgrund des Dauerregens auch voller Tristesse. Als man ihm auch noch einen Neuen aufs Auge drückt, den er einarbeiten soll, macht das den Tag auch nicht erträglicher. Doch François träumt davon, dass endlich einmal die Zahlen gezogen werden, die er seit Jahren jede Woche im Lotto tippt: dann würde sich endlich alles ändern. Er wartet auf das große Los…



Meinung:

Wie auch im Band „Beatrice”, den Splitter jedoch erst im August veröffentlichen wird, entführt uns Boris Mertens hier wieder in die Welt des kleinen Mannes, mit seinen Alltagsproblemen und kleinen und großen Sorgen. Er zeigt uns eine nicht genannte Großstadt (wahrscheinlich Brüssel) irgendwann in der Vergangenheit (ich tippe auf die zweite Hälfte der 1970er Jahre), vollgestopft von Menschen, die ihren Alltagsgeschäften nachgehen, aber auch voller Autoverkehr, dunklen Straßenschluchten und ständigem Regen. François, der Held der Geschichte, ist unspektakulär und verliert sich in der Routine — doch gerade das macht die Erzählung in meinen Augen so interessant: Mertens schafft es mit geübtem Auge und perfektem Strich, die Bewegungen und Emotionen des Helden einzufangen. Die Szenen wirken so authentisch, die Mimiken so passend, dass das Ganze einem Film Noir entnommen zu sein scheint. Kino auf dem Papier — das gefällt mir gut, denn es ist grandios gemacht und erinnert an die großen, zur Zeit der Handlung zeitgenössischen Filmemacher wie Truffaut oder Chabrol. 

Die Handlung ist durchweg geradeheraus, und doch gibt es zum Schluss überraschende Wendungen. Sind diese über alle Maßen originell? Nun, müssen sie es sein? Ich mag die Geschichte, wie sie ist: gut erzählt und gut gezeichnet.

Und das ist das zweite große Standbein dieses Albums: die Zeichnungen. Joris Mertens hat sich für die Geschichte, beinahe schon als Running-Gag, eine durchgehend regnerische, sintflutartige Wetterlage als Hintergrund gewählt, und ich wage zu sagen: er schafft es wie kein zweiter, die im Regen schimmernden Kopfsteinpflaster der Großstadt mit ihren Lichtreflexionen und Spiegelungen darzustellen. Die hier geschaffene Atmosphäre, nicht zuletzt durch die stark mit Licht und Schatten spielende Kolorierung unterstützt, schafft es perfekt, die Tristesse zum Ausdruck zu bringen, die den Helden während der Handlung schier zu erdrücken scheint. Das ist ganz großes Kino auf dem Papier!

Und während „Beatrice” noch komplett ohne Text auskommt (ja, das funktioniert! Und wie, lasst euch überraschen!) lebt auch „Das große Los” hauptsächlich von seinen Bildern. Denn da der Held eher ein wenig verschlossen, wenn nicht sogar mürrisch ist, redet er nicht allzu viel in diesem Buch. Und auch hier funktioniert es gut, es wird alles gesagt, was es zu sagen gibt. Sehr gut gemacht.

Dabei verrät der deutsche Titel fast schon zuviel, obwohl man in der Handlung recht früh auf das Lottospielen gestoßen wird — der französische Titel ist da mit „Nettoyage á sec” (dt. etwa „Trockenreinigung”) doch viel neutraler und legt den Focus auf François’ Lieferfahrten, die ja auch den Großteil der Handlung ausmachen, während das Original in Belgien mit „Bleekwater” (dt. „Bleichmittel”) in die gleiche Richtung zielt. Die irgendwie doch spannende Frage ist weiterhin das wann und wo der Handlung. Hierzu gibt es nur Hinweise in den Bildern: Gebäude, Autos, Plakate, Kinofilme, die man entschlüsseln kann, wenn man will und Interesse daran hat. Ich verrate hier nicht mehr, viel Spaß beim suchen!

Es ist im Prinzip kaum zu glauben, dass dies erst die zweite Veröffentlichung des 1968 geborenen Künstlers ist, der ansonsten als freier Designer arbeitet — so sicher kommen Erzählung und Zeichnung rüber. Unbedingt zu empfehlen.



Fazit:

Ein gelungener Film-Noir auf dem Papier, gut erzählt, fantastisch gezeichnet und darum rundherum zu empfehlen!



Das große Los - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Das große Los

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 35,00

ISBN 10:
3987211423

ISBN 13:
978-3987211423

144 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Grandioses Kino auf dem Papier.
  • Sehr atmosphärisch dichte Zeichnungen.
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 11.06.2023
Kategorie: Alben
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