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Comic-Besprechung - Wikinger im Nebel

Geschichten:

Wikinger im Nebel

Autor: Wilfrid Lupano

Zeichner: Ohazar (d.i. Rodolphe Lupano)

Übersetzer: Thomas Schöner



Story:

In kurzen Episoden wird die Geschichte der Wikingerhorde rund um Reidolf, genannt „Chef”, und dessen namenlosen Sohn erzählt, von der Abreise aus dem heimatlichen Dorf, über einige seefahrerische Havarien bis zu einem tatsächlichen Überfall auf eine Stadt, bei dem jedoch auch nicht alles glatt geht…



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Das Bruderpaar Lupano liefert hier ein kleines Feuerwerk an Gags rund um die Wikingerwelt ab, das nicht nur auf den ersten Blick stark an den weltbekannten „Hägar” von Dik Browne erinnert. Auch hier ist der Chef ein verhältnismäßig kleiner, dicker Mann, während seine Gegenparts (sein Sohn und der Steuermann Olaf) eher groß und schlank sind — ein bisschen auch wie damals Laurel und Hardy im Film (dt. Dick und Doof, wer es noch kennt). Es werden die bekannten Stereotype und Ikonografien der Wikinger bedient, die Ohazar (d.i. Rodolphe Lupano) in einem feineren Strich darstellt als damals Dik Browne seinen Hägar, doch auch hier in einem Funny-Stil zeichnet, der den Figuren einen Anstrich von Harmlosigkeit gibt, der trügerisch ist. Hierin liegt ein Teil der Komik verborgen, aber auch darin, dass die Figuren sich teilweise sehr „modern” verhalten bei Themen wie zum Beispiel Feminismus oder Selbstreflexion, was den Leser an den entsprechenden Stellen überraschen kann und damit komisch ist. Und natürlich hat der selbst nicht allzu helle Chef mit allerlei Dummheit in seinem direkten Umfeld zu kämpfen, aber auch damit, seine Stellung als Anführer zu behaupten, die, so zeigen es die Ereignisse, gar nicht so selbstverständlich sein muss, wie sie derzeit ist.

Der Aufbau des Bandes besteht aus einzelnen Episoden aus halbseitigen, zweireihigen Gags (und teilweise komplett halbseitigen Panels) mit eigenen Überschriften. Der erzählerische Unterschied zu seinem Vorgänger liegt bei diesem Band aber vor allem darin, dass dies rein formal ist: in Wirklichkeit wird eine durchgehende Story erzählt, die von vorne bis hinten einen durchgehenden roten Faden hat, mit gelegentlichen Ortswechseln zwischen dem Raubzug und dem heimatlichen Dorf mit den Frauen der Krieger. Ein gestalterischer Schachzug, der möglicherweise tatsächlich als kleiner Bezug bzw. Hommage an die Vorlage gedacht war, auf mich aber ein wenig bemüht wirkt. Die Geschichte ist nämlich tatsächlich überwiegend so rasant, dass ich auf die „Überschriften” kaum achten wollte, und mich eher ausgebremst fühlte. Und nach einem zusätzlichen Durchblättern kann ich bestätigen, dass man diese Einteilung durchaus ignorieren kann, um den Band in einem Rutsch zu lesen — die Titel tragen wirklich nicht viel zum Verständnis bei. 

Von Wilfrid Lupano liegen in Deutschland bereits zahlreiche Veröffentlichungen vor, die in den unterschiedlichsten Genres angesiedelt sind: von Sozialkritik („Auf die Barrikaden”), über Western („Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte”) und Fantastik („Alim der Gerber” und „Azimut”) bis Krimi („Marius Jacob”) und Humor („Die alten Knacker”). Jedesmal liefert er etwas anderes ab, und jedesmal trifft er voll ins Schwarze, so finde ich. Diesmal wirkt das Ergebnis jedoch ein bisschen zu sehr abgekupfert, bei weitem nicht so originell wie seine bisherigen Arbeiten, doch wenn man es einfach als eine Art Fortsetzung von Hägar nehmen will und kann: dann kann es durchaus gefallen. Die Gags sind zwar genretypisch, aber dennoch treffend, und immerhin gibt es eine Reihe von kleinen, subtilen Anspielungen, die dem Ganzen dann doch wieder ein bisschen mehr Tiefgang geben, als es die Vorlage hatte.

Von seinem Bruder Rodolphe, der seit 2010 unter dem Pseudonym Ohazar Comics veröffentlicht, liegt auf deutsch noch keine weitere Veröffentlichung vor. 2013 hat er bei dem Band „Ma Révérence” schon einmal mit seinem Bruder Wilfrid zusammen gearbeitet, und für den Zeichner Rodguen die Kolorierung übernommen. Ohazar ist grundsätzlich im Bereich der humoristischen Comics unterwegs — die Zusammenarbeit mit seinem Bruder bei einem sozialkritischen Thriller wie „Ma Révérence” war da eher untypisch — aber er hat ja auch nur koloriert, nicht gezeichnet. Vielleicht bekommen wir von ihm ja nochmal mehr auf deutsch zu Gesicht?



Fazit:

Ein kurzweiliger Spaß in der Tradition des bekannten „Hägar”, mit den üblichen Wikingergags, die aber durchaus zünden. Vielleicht ein bisschen zu sehr an die berühmte Vorlage angelehnt, dafür durchaus mit Tiefgang. Trotz leichtem Punktabzugs aber durchaus zu empfehlen.



Wikinger im Nebel - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Wikinger im Nebel

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 12,00

ISBN 10:
3551027366

ISBN 13:
978-3551027368

64 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Kurzweilig und unterhaltsam.
  • Gelungene Zeichnungen.
Negativ aufgefallen
  • Ein bisschen zu nah am „Original” Hägar.
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 02.08.2023
Kategorie: Alben
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