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Comic-Besprechung - Doktor Radar Band 1: Mörder der Weisen

Geschichten:

Doktor Radar Band 1: Mörder der Weisen

Autor: Noël Simsolo

Zeichner: Frédéric Bézian

Übersetzer: Fritz Walter



Story:

Der reiche Müßiggänger und Amateurdetektiv Ferdinand Straub stößt auf eine Reihe von Todesfällen von Wissenschaftlern, die in ganz Europa unter mysteriösen Umständen umgekommen sind. Begleitet von dem Maler Pascin, und eher leidlich unterstützt vom etwas schusseligen Kommissar Baignol, findet Straub schnell die Fährte des geheimnisvollen Doktor Radar, der offensichtlich an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Raumfahrt interessiert zu sein scheint. Doch die Jagd erweist sich als sehr schwierig, denn Radar versteckt sich hinter zahlreichen Verkleidungen und ist den Ermittlern immer einen Schritt voraus.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Die Trilogie Doktor Radar ist eine klassische Detektivgeschichte, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts spielt, und ganz im Stil von Vidoqc, Arsen Lupin oder Sherlock Holmes aufgebaut ist. Gerade zu Letzterem gibt es zahlreiche Parallelen: Straub, der Held, hat einen Sidekick, den Maler Pascin, der wie Holmes etwas bodenständiger ist und Kontakte zum Milieu unterhält, ohne die Straub nicht voran kommen würde. Und als quasi zweiten Gegenspieler gibt es den etwas einfältigen Kommissar Baignol, den französischen Lestrade, der erst von den doch recht offensichtlichen Zusammenhängen der einzelnen Taten überzeugt werden muss, bevor er richtig loslegt. Dann jedoch wird eine Jagdmaschinerie in Gang gesetzt, die den Bösewicht unweigerlich fangen würde — wenn er nicht so schlau wäre, wie er ist. Das wiederum erinnert ein bisschen an den Filmklassiker Fantomas mit Jean Gabin und Louis de Funes — allerdings ist Doktor Radar absolut nicht so albern, es ist ein „ernster” Krimi à la Conan Doyle. 

Bei aller Ähnlichkeit zu seinen Vorgängern und Vorlagen und den benutzen Zitaten und Anspielungen hat Doktor Radar jedoch durchaus seinen eigenen Charme, und dies nicht zuletzt durch die ungewöhnlichen Zeichnungen Frédéric Bézians. Er zeichnet in einem Stil, der wie eine Mischung aus Christophe Blain (Quai d’Orsay) und Gipi wirkt und am ehesten als so etwas wie „abstrakte Skizzen” beschrieben werden kann. Seine Zeichnungen wirken fahrig, seine Striche wie hingeworfen, und oftmals sind die Figuren nicht leicht auseinanderzuhalten, zumal sie aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt werden, und dann nur noch an charakteristischen Details zu erkennen sind, die dem Leser aber überhaupt erst einmal aufgefallen sein müssen, denn Einiges könnte man auch für „Zeichenfehler” halten — sind sie aber nicht. Und das macht die Genialität dieses Zeichners aus, diesen ganz eigenen Stil, der skizzenhaft wirkt, in Wahrheit aber voll durchkomponiert ist. Und zwar bis in die Kolorierung hinein, bzw. in das Fehlen ebendieser: Bézian mag Duoton-Kolorierungen, ganze Seiten sind in einem einheitlichen hell/dunkel-Ton gehalten, orange, blau, grün — nur die Sprechblasen sind weiß. Das hört sich in der Beschreibung vielleicht etwas abstrakt an, wirkt aber beim Lesen absolut nicht gekünstelt, sondern es passt sehr gut. Jede Szene hat ihre Farbe, jeder Ortswechsel seinen Farbwechsel. Das ist sicher ungewohnt und macht es auch manchmal schwierig, etwas wiederzuerkennen, weil die Figuren, Kleidungen etc. eben nicht ihre eigene Farbe haben, aber im Großen und Ganzen macht diese Darstellungsweise trotzdem Spaß und passt auch zur Geschichte und zur Handlungszeit, finde ich, alles wirkt ein bisschen „alt”.

Von Bézian ist bisher in Deutschland nur wenig veröffentlicht worden, neben einigen Teamarbeiten („Bob Dylan Revisited” und „Comic Haus”) und einer kurzen Geschichte in der Serie „Atomium 58” wurde bisher nur sein Dreiteiler „Adam Sarlech” verlegt, dieser leider von zwei unterschiedlichen Verlagen (Carlsen und Feest) und in Einzelbänden, deren Zusammenhang nicht jedem klar gewesen sein dürfte. Vielleicht kommt ja bald einmal mehr von diesem zu Unrecht vernachlässigten Künstler zu uns. 

Noël Simsolo, der hauptsächlich als Romancier und für das Kino arbeitet, hat im Comicbereich seit ca. zehn Jahren eine ganze Reihe von Szenarien zu den Biografien berühmter Personen geschrieben, von denen bisher nur „Alfred Hitchcock” (bei Splitter) auf deutsch erschienen ist. Er begann jedoch bereits im Jahr 2004 seine Comic-Karriere mit einer ersten Zusammenarbeit mit Bézian, „Ne touchez à rien”, die er dann zehn Jahre später mit Doktor Radar fortsetzte. 

Diese Serie ist eine absolut würdige Ergänzung im neuen Albenprogramm der ZACK Edition.



Fazit:

Eine spannende Detektivserie im Paris des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts, klassisch aufgebaut und mit Anleihen an Sherlock Holmes, und doch durchaus eigenständig — vor allem durch die ungewöhnlichen Zeichnungen Frédéric Bézians mit seinen interessanten Duoton-Kolorierungen. Sehr zu empfehlen.



Doktor Radar Band 1: Mörder der Weisen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Doktor Radar Band 1: Mörder der Weisen

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Zack Edition

Preis:
€ 22,00

ISBN 10:
3949987185

ISBN 13:
978-3949987182

64 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Endlich etwas von Bézian!
  • Klassische Detektivgeschichte in neuem Gewand.
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 08.03.2024
Kategorie: Alben
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