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Comic-Besprechung - Ein Norweger auf dem Jakobsweg

Geschichten:

Ein Norweger auf dem Jakobsweg

Autor und Zeichner: Jason (d.i. John Arne Sæterøy)

Übersetzer: Silv Bannenberg



Story:

Der Autor Jason hat sich auf den Jakobsweg gemacht, von Bayonne in Frankreich über die Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela in Nordspanien, und dann noch einen kleinen Abstecher bis in die spanischen Finisterre, die westlichste Spitze der spanischen Halbinsel. Er berichtet tagebuchmäßig von dieser Reise, seinen Begegnungen und Eindrücken.



Meinung:

Jason ist tatsächlich geborener Norweger, der inzwischen in Montpellier lebt und arbeitet, so macht der Titel Sinn, hat mich aber ehrlich gesagt ein bisschen überrascht, denn das wusste ich nicht. Das Jason ein Pseudonym sein würde, hatte ich schon vermutet, dahinter aber einen Franzosen erwartet. So wird man immer wieder überrascht und lernt etwas, ist ja auch ganz schön. Zumal dies im Prinzip der einzige Erkenntnisgewinn ist, den ich aus diesem Buch habe ziehen können. Die Pilgerfahrt war für Jason offenbar so, wie ich es mir vorgestellt hätte: hauptsächlich langweilig. Die Tage sind monoton, einsam, anstrengend und kräftezehrend, und danach gefragt, warum er diese Strapaze überhaupt auf sich genommen hat, weiß er im Buch auch nichts als eine recht dumme Antwort zu geben — wie im übrigen auch alle anderen befragten Personen. Durchweg scheint niemand einfach aus religiösen Gründen unterwegs zu sein, was zwar auch diskussionsfähig, aber immerhin irgendwie naheliegend wäre. Nichts genaues weiß man nicht. Und auch sein indirektes Ziel, auf der Reise möglichst viele andere Menschen kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen, scheint nach dem, was er in der Geschichte berichtet, im Grunde nicht so recht funktioniert zu haben. Der ganze Marsch scheint für die meisten Teilnehmer eher eine Art Egotrip zu sein: man steht möglichst bereits im Dunklen auf und macht sich auf den Weg, um täglich möglichst weit zu kommen, verliert dabei regelmäßig Zeit, weil der richtige Start aus den Dörfern und Städten hinaus ohne Beleuchtung nicht wirklich gut zu finden ist. Man zieht dann seine Tour durch, im individuellen Rhythmus und in der ureigenen Geschwindigkeit, ohne Rücksicht auf die anderen, und dann eben auch meistens allein. Keine gesellige Gruppenbildung, dadurch auch keine Gespräche tagsüber, und wenn man mal zufällig wen auf dem Weg überholt, beschränkt sich der Gedankenaustausch auf Banalitäten und das Wesentliche — Mission verfehlt. Auch die viel gepriesenen Gruppenabende in den Räumen der Herbergen sind meist öde, weil oft kaum jemand da ist, da Jason prinzipiell die falschen Übernachtungsorte wählt. Und das dreißig Tage lang. Der Mann lernt nicht dazu.  

Das wurde im Prinzip auf dem Klappentext bereits so angedeutet, doch dafür fehlen die dort versprochenen gnadenlosen Reflexionen komplett. Jason berichtet. Über das Wandern, welche Dörfer aufeinander folgen, über Preise (überraschend günstige, aber auch manchmal Wucherpreise), über das Wäschewaschen und die Tatsache, dass er sich offensichtlich etwas suboptimal ausgerüstet hatte. Fast jeder zweite Satz beginnt mit „Ich habe dies gemacht…, ich habe jenes gemacht…”. Und das alles wiederholt sich. Oft. Sehr oft. Es macht die Lektüre anstrengend, obwohl man das Büchlein recht zügig durchblättern kann (und wird), doch gerade bei seinem reduzierten Zeichenstil mit sehr eingeschränkten Mimiken und nur wenigen Details ist man geradezu angewiesen auf knackige Texte und interessante Konversationen. Aber zu denen kommt es ja gerade nicht. Schade. Ich habe das Gefühl, Jason versucht Lewis Trondheim zu imitieren, doch an dessen Raffinesse und Wortwitz reicht er — zumindest mit diesem Band — nicht heran.



Fazit:

Eine etwas monotone Darstellung des Wanderwegs im Norden Spaniens, den der Autor recht minutiös beschreibt, ohne das dabei viel zu erzählen wäre. Leider ein etwas blutleerer Versuch, sich an das Thema „Jakobsweg” zu hängen, dass in den letzten Jahren von anderen Künstlern weitaus tiefsinniger und unterhaltsamer behandelt wurde. Schade.



Ein Norweger auf dem Jakobsweg - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ein Norweger auf dem Jakobsweg

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 20,00

ISBN 10:
3956404041

ISBN 13:
978-3956404047

192 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Kaum interessante Handlung, viele Wiederholungen.
  • Die versprochenen Reflexionen fehlen komplett.
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 25.03.2024
Kategorie: Alben
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