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Comic-Besprechung - Über 1 - Das letzte Aufgebot

Geschichten:
Text: Kieron Gillen 
Zeichnungen: Caanan White
Colourist: Keith Williams


Story:
Berlin im April 1945. Die einst so stolze Hauptstadt des Dritten Reiches liegt in Schutt und Asche. Russen und Amerikaner sind auf dem Vormarsch durch die Straßen der Stadt. Die Tage des Führers sind gezählt. Er hält sich einen Pistolenlauf in den Mund, will sein Ende schnell und schmerzlos besiegeln. Eva Braun, seine Gefährtin, hat bereits Gift geschluckt und liegt tot auf dem Sofa. Da hallt ein Schrei durch die Gänge des Führerbunkers: „Die Wunderwaffe“. Buchstäblich in letzter Sekunde ist es den deutschen Wissenschaftlern gelungen, einen Übermenschen zu züchten. Eine Rasse von Superhelden, die den weiteren Verlauf der Ereignisse entscheidend beeinflussen werden. An ihrer Spitze stehen drei so genannte menschliche Schlachtschiffe, Sieglinde, Siegfried und Siegmund, sowie eine größere Zahl an Panzermenschen. Mit ihrer Hilfe wollen die deutschen Militärs und Adolf Hitler den Untergang des Reiches verhindern oder zumindest, wenn dies nicht gelingen sollte, alle anderen mit in den Untergang reißen. Aber die westlichen Alliierten schlafen nicht. Auch sie haben die Formel zur Züchtung dieser Übermenschen und setzen ihre Waffe gezielt ein. Eine verheerende Schlacht um Berlin beginnt. 


Meinung:
„In ÜBER geht es um ein Versagen der Vorstellungskraft und ein Versagen der Moral bei fähigen Menschen. Es geht um Menschen, die nicht sehen, über welche Macht sie verfügen“. Das schreibt der Autor Kieron Gillen über seine Serie in einem der Vorworte, die jedem der sechs Teile, die in dem ersten Band versammelt sind, vorangestellt wurde. Eine kluge Idee, denn Gillen weiß sehr wohl, dass er sich mit einer Geschichte, bei der von Nazis gezüchtete Übermenschen im Mittelpunkt stehen, auf eine waghalsige Expedition begibt. Schnell werden Vorwürfe nach Verharmlosung, Idealisierung oder gar Sympathie zum Dritten Reich laut. Gillen weiß das alles, begibt sich dennoch auf dies dünne Eis und wird auch nicht müde zu betonen, dass er sich äußerst unwohl fühlt. 
Im Endeffekt schreibt Gillen eine Geschichte, die viel mehr ist als ein Superheldencomic. Er platziert seine Übermenschen in eine von Destabilität geprägten Situation. Eine Situation, in der keinerlei moralischen Maßstäbe mehr gelten. Ein Menschenleben zählt nicht. Oder, um es in den Worten des Autors zu sagen: „Mein einziges Interesse gilt der Frage, wie sich aus dem Kerngedanken dieses Genres [des Superheldencomics, Anm. d. Red.] Metaphern zur Erforschung von Aspekten des Zweiten Weltkrieges entwickeln lassen – insbesondere, wie es sich zum menschlichen Zustand verhält und was es über uns aussagt“. 
Dabei geht der Autor absolut humorlos zu Werke. Beispielsweise gibt es keine Anspielungen auf das weite Feld der Superhelden im Kampf gegen die Nazis (hier gibt es eine ganze Reihe von Vorläufern). Die Geschichte von Gillen ist ebenso ernst wie brutal. Einzelne Panels erinnern an die Erzählweise eines Garth Ennis – verstörend in ihrer Brutalität, dabei aber immer im Dienste der Geschichte. Die Brutalität bei ÜBER dient nicht dazu, die krankhaften voyeuristischen Gelüste einiger perverser Köpfe zu befriedigen, sondern vermittelt die Wut und die Verzweiflung, die der Autor beim Schreiben seines Plots hatte – im Großen wie im Kleinen. Denn wenn Massenmord an sowjetischen Kriegsgefangenen dargestellt wird oder eine Frau in den Trümmern ihres Hauses vergewaltigt wird, kann dies nicht „politisch korrekt“ dargestellt werden.
Erzähltechnisch nimmt der Band von der ersten Seite an enorm an Fahrt auf. Durch den schnellen Wechsel der Szenen, meistens bereits nach zwei Seiten, werden dem Leser kaum Entspannungsmomente gegönnt. Was einerseits natürlich angesichts der Thematik auch absolut unpassend wäre und andererseits die Hektik der Tage gegen Kriegsende noch um einiges verstärkt. Die dargestellten historischen Persönlichkeiten, allen voran Hitler selbst, wirken so authentisch, wie es in einem Comic möglich ist: ein vom Wahnsinn getriebener Diktator, ohne Bezug zur Realität, der bereit ist für seine Wahnvorstellungen ein ganzes Volk zu opfern. Oder auch Churchill, ein politischer Fuchs, der nur ein Ziel verfolgt: Die Größe Britanniens in einer neuen Weltordnung zu erhalten. Es spricht für Gillen, dass er die Charaktere der historischen Personen nicht überzeichnete sondern auch diese humorlos darstellte.



Fazit:
Gillen ist es vortrefflich gelungen einen Comic abzuliefern, der sich ganz deutlich von Lanzer-Romatik, Kriegsverherrlichung und der Anziehungskraft der Nazigreuel distanziert. Er liefert einen – zugegeben ungewöhnlichen – Superheldencomic, der sehr spannend erzählt wird. Der Autor hatte es sich zur Aufgabe gemacht, uns teilhaben zu lassen an einem Experiment: Wie würden sich Menschen in der von ihm entwickelten Welt verhalten? Wie reagieren Menschen, denen plötzlich Allmacht gegeben ist? Der erste Band bei Pannini versammelte die Hefte 1 bis 5. Gillen hat angekündigt, dass die ganze Serie etwa 30 bis 60 Hefte beinhalten wird. Mit dem ersten Band ist der Versuchsaufbau abgeschlossen. Das Experiment kann beginnen! 



Über 1 - Das letzte Aufgebot - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Über 1 - Das letzte Aufgebot

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Panini

Preis:
€ 19,99

ISBN 13:
978-3-95798-960-4

176 Seiten

Positiv aufgefallen
  • heikles Thema überzeugend umgesetzt
  • spannender Plot
  • ausgereifte Charaktere
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 18.10.2016
Kategorie: Alben
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