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Comic-Besprechung - Eternauta 1969

Geschichten:
Text Héctor German Oesterheld
Zeichnungen: Alberto Breccia


Story:
1971 erschüttert eine Alieninvasion Südamerika. Der komplette Kontinent wurde von den Blockmächten und Europa den extraterrestrischen Aggressoren ausgeliefert. In Argentinien sitzen indessen die vier Freunde Favalli, Lucas, Polski und Juan beim Kartenspiel zusammen, als die Katastrophe hereinbricht. Ein tödlicher Schneefall schließt sie im Haus ein, als eine Armee von Aufständischen die Männer für den Befreiungskampf rekrutiert. Eine unerbittliche Schlacht um die Freiheit Südamerikas beginnt.


Meinung:
Rund zwei Jahre ist es her, dass der Avant Verlag den voluminösen Band „Eternauta“ herausbrachte. Der Meilenstein südamerikanischer Comics wurde seinerzeit von Lesern und Kritikern mit fast schon euphorischer Begeisterung aufgenommen. Kaum eine Feuilleton-Redaktion – von 3sat Kulturzeit über „Die Zeit“ und FAZ – die nicht über den Comic berichtete. Oesterheld, der selber zum Opfer der Diktatur werden sollte, schrieb eine düstere Zukunftsversion, in der Menschen wie Roboter funktionieren und das Individuelle ausgemerzt wird. Und noch sind die Jubelhymnen auf den Comic nicht ganz verhallt, da überrascht der Verlag mit dem Band „Eternauta 1969“. Zugegeben, bei dem Titel mag der kritische Leser zunächst denken, dass es sich um alten Wein in neuen Schläuchen handelt. Doch weit gefehlt. 
„Eternauta 1969“ erschien ursprünglich in der argentinischen Illustrierten „Gente“, die sich normalerweise den Reichen und Schönen widmete. Im Gegensatz zu den querformatigen Streifen der ursprünglichen Geschichte, wechselt bei der Neubearbeitung die Erscheinungsform. Jeweils drei ganze Seiten werden pro Ausgabe abgedruckt. Gleich geblieben ist hingegen der große umspannende rote Faden – die Metaebene der Geschichte.
Der auffälligste Unterschied zur ersten Version von 1957 bis 1959 liegt in den Zeichnungen. Statt des klaren Strichs von Francisco Solando Lopez, wird die Geschichte über die diffusen Bilder eines Alberto Breccia vorangetrieben. Breccia ist im deutschen Sprachraum vor allem über seine geniale Comicadaption von Bram Stokers „Dracula“ bekannt geworden (Carlsen Lux 34, Carlsen Verlag, 1994). Daneben stammen von ihm ebenfalls die von Oesterheld getexteten Bände „Che“ und „Mort Cinder“ (beide Carlsen Verlag).
Ob ihm nun die Lopez- oder die Breccia-Version besser gefällt, mag jeder Leser für sich selber entscheiden. Beide Zeichner lösen aber die ihnen anvertraute Arbeit mit Bravour. Bei Breccia wird das Grauen der Situation noch greifbarer. Und das gerade weil seine Zeichnungen vieles im Unklaren lassen. Die riesigen Käfer, die ferngesteuerten Menschen und auch die eigentlichen Köpfe der Invasion bleiben unklar. Der Leser muss vieles mit seiner eigenen Phantasie füllen. Broccias Zeichnungen sind avantgardistisch. Und getreu des Mottos „Der Horror, der im Dunklen bleibt und nicht klar zu erkennen ist, ist der Furchtbarste“, funktionieren die Zeichnungen von Breccia sehr gut.
Daneben wird der Leser mittels dieses Artworks noch empfänglicher für die Texte Oesterhelds. Denn da, wo genaue Darstellungen fehlen, sucht sich der Betrachter seine Informationen an anderer Stelle. Oesterhelds geniale Erzählweise, die in ihrer Sachlichkeit und Distanziertheit an H.G. Wells Protagonist im „Krieg der Welten“ erinnert, zieht den Leser noch mehr in seinen Bann. Allerdings schien der Stil Breccias auch ein Dorn im Auge der Gente-Redaktion zu sein. Die Serie wurde kurzfristig abgesetzt, mit der Begründung, dass das Artwork unvollständig und substanzlos sei. Selten in der Geschichte der Neunten Kunst hat sich ein verantwortlicher Zeitungsmacher mit seinem Urteil so sehr ins Abseits gestellt.
Der Band „Eternaute 1969“ im Avant Verlag wird angereichert mit einem umfangreichen Nachwort, das von keinen geringeren als den beiden Argentiniern Guillermo Saccomanno und Carlos Trillo verfasst wurde. Es enthält wesentliche Hinweise zur Entstehung des Comics, aber auch – und das ist umso hilfreicher – eine Menge Informationen zur Illustrierten „Gente“.
Wer „Eternaute 1969“ gelesen hat, wird definitiv danach noch einmal den Ursprungsband in die Hand nehmen, um beide Versionen nebeneinander zu legen und zu vergleichen. Ich habe im Anschluss gleich noch einmal „Eternauta“ gelesen. Egal wie man die unterschiedlichen Zeichnungen beurteilt, beide Comics stehen für sich alleine und sollten unbedingt gelesen werden.


Fazit:
„Eternaute 1969“ ist viel mehr als eine Neubearbeitung. Die Zeichnungen Breccias schaffen einen komplett neuen Comic. Der Band bekommt eine absolute Leseempfehlung und das sowohl für diejenigen, die die ursprüngliche Version bereits kennen, als auch für Neueinsteiger!


Eternauta 1969 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Eternauta 1969

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 22

ISBN 13:
978-3-945034-69-9

64 Seiten

Positiv aufgefallen
  • avantgardistische Zeichnungen
  • überaus fesselnder Plot
  • informatives Nachwort
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 06.02.2018
Kategorie: Alben
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