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Comic-Besprechung - Der Mann, der Chris Kyle erschoss

Geschichten:

Der Mann, der Chris Kyle erschoss
Autor: Fabien Nury, Zeichner: Brüno, Colorist: Laurence Croix



Story:

Chris Kyle war ein kontroverser Mann. Als Scharfschütze hat er mindestens 160 Menschen erschossen, wobei es durchaus mehr gewesen sein könnten. In seiner aktiven Laufbahn als Soldat wurde er schon zu einer Legende was er nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst für zweifelhafte karitative Zwecke nutzte. Als er von einem anderen Veteranen ermordet wird, wird eifrig an der Legende weiter gestrickt.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Auf den ersten Blick ist es schon verwunderlich das sich das Kreativ-Team Nury und Brüno einen Sachcomic vorgenommen hat. Aber schon die Kollaboration Tyler Cross war ja nicht nur eine Krimi-Reihe, sondern nicht zuletzt eine Studie über Gewalt und wie diese die amerikanische Geschichte und damit auch die Gesellschaft geprägt hat.

Insofern ist es nicht verwunderlich das sich das Gespann nun den realen Fall von Chris Kyle vorgenommen hat. Kyle war der erfolgreichste Scharfschütze der amerikanischen Armee und während des Irak-Krieges wurde er zu einer Legende mit 165 bestätigten Abschüssen. Unbestätigt dürfte es sogar noch höher sein. Abseits der Armee wurde der Mann nicht nur durch seine Autobiographie bekannt, sondern nicht zuletzt durch deren Verfilmung durch Clint Eastwood unter dem Titel American Sniper. Doch den Film erlebte Chris Kyle nicht mehr, da er zusammen mit einem Freund von einem anderen Veteranen erschossen wurde.

Nicht nur der Titel der Graphic Novel Der Mann, der Chris Kyle erschoss, sondern auch das Eingangszitat verweisen auf den klassischen John Ford Western Der Mann, der Liberty Valance erschoss wo gesagt wird das bei der Auswahl zwischen einer Legende und der historischen Tatsache von der Presse lieber die Legende gedruckt wird, ist hier sehr bezeichnend. Nicht nur hatte Chris Kyle den Spitzname „Die Legende“ erhalten, sondern er hat selber schon zu Lebzeiten eifrig an einer Legendenbildung mitgestrickt. Generell gibt es viele Zitate gerade aus Western, einem Genre was den Mythos von Amerika erst erschaffen hat, aber auch von Clint Eastwood. Eastwood hat wie kein zweiter einen Mythos um sich und seine Rollen konstruiert. Während sich die meisten Filmlegenden darauf dann ausruhen und ihren Status genießen und die Legende bestehen lassen, hat als einziger Star Eastwood seine eigene Konstruktion nicht nur ironisiert, sondern im Spätwerk seit den 1990ern sogar zertrümmert.

So ähnlich ist es auch hier. Es wird gezeigt, worauf die Legende von Chris Kyle basiert, dann die Legendenbildung bis zum Mord nachvollzogen und schließlich gezeigt das erst nach dem Tod der Mann zu einer wirklichen Legende wurde. Dabei enthalten sich Nury und Brüno jeden Kommentars. Dabei ist es schon beunruhigend das ein Mörder in Uniform, anders kann man einen Scharfschützen nicht bezeichnen, als Helden zu verklären. Denn im Gegensatz zu Soldaten direkt an der Front, töten Scharfschützen ja aus der Distanz. Aber das ein solcher Mann als Held gefeiert werden kann, wirft wieder ein erhellendes Licht auf die amerikanische Gesellschaft die wohl unbedingt einen Helden für einen Krieg braucht der nicht nur international umstritten war. Kyle hat selbst an seiner Legende mitgebaut und auch sein soziales Engagement spielt dort mit rein, da er seinen Ruf dafür nutzt und mit dem Karitativen diesen wieder festigt. Es ist schon eine Ironie des Schicksals das genau das ihn das Leben kostete. Die Kehrseite besteht dann darin, dass die Witwe aus dem Mord auch finanzielles Kapital schlägt und gut an der Legendenbildung verdient. Das hinterlässt bei der Lektüre ein etwas mulmiges Gefühl.

Aber auch der Mörder wird nicht aus dem Blick verloren. Er ist einer der es nicht geschafft hat. Leidend an einer posttraumatischen Belastungsstörung wird er nicht ernst genommen, da er nie an Kämpfen teilgenommen hat. Er fühlt sich von der Legende erdrückt, und dem Mythos nicht gewachsen, weswegen er ihn zerstören will und in einer Kurzschlusshandlung die Morde begeht. Damit wird aber keine Legende zerstört, sondern nur bestärkt.

In klaren, kalten Bildern wird eine Distanz geschaffen die es der Leserschaft erlaubt, sich eine eigene Meinung zu bilden was sehr lobenswert ist und zudem sehr auf Fakten basiert.  Insgesamt ist es ein erschütterndes Buch da der hier gezeigte Ausschnitt der amerikanischen Gesellschaft nicht nur einen befremdlichen Blick gestattet, sondern auch eine höchst gelungene Meta-Ebene bezüglich Legenden und Mythen herstellt. Ein starkes Buch.



Fazit:

Ein starkes Buch. Es wird aufgezeigt wie eine Legende versucht wird aufzubauen, was viel über die Gesellschaft sagt die solche zweifelhaften Legenden braucht. Zudem ist es eine Studie über Gewalt und was sie mit den Menschen macht. Dabei kann sich jeder seine eigene Meinung bilden da sich die Autoren eines Kommentars enthalten.



Der Mann, der Chris Kyle erschoss - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Der Mann, der Chris Kyle erschoss

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 24

ISBN 10:
3551781710

ISBN 13:
978-3551781710

176 Seiten

Positiv aufgefallen
  • vielschichtig
  • kalte, klare Bilder
  • Studie zur Legendenbildung
  • interessanter Ausschnitt einer Gesellschaft
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 24.09.2021
Kategorie: Alben
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