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Comic-Besprechung - Talion Opus 1 – Wurzeln

Geschichten:

Talion Opus 1 – Wurzeln

Autor und Zeichner: Sylvain Ferret

Übersetzer: Tanja Krämling



Story:

In einer fernen Zukunft ist die Erde verseucht, ein Virus greift nicht nur die gesamte Menschheit, sondern jeden Organismus an, und vor allem das Wasser ist so stark belastet, dass es keine Rettung mehr zu geben scheint. Doch wie so oft, haben die Reichen und Mächtigen einen Weg gefunden, sich sauberes Wasser zu erzeugen, und lassen die Massen erst einmal nicht hiervon teilhaben. Doch auf beiden Seiten, bei arm und reich, wird nach einer Lösung geforscht, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg…



Meinung:

Es handelt sich bei dem neuen Dreiteiler von Sylvain Ferret um eine Dystopie, wie sie in letzter Zeit des öfteren im Comicbereich veröffentlicht worden ist. 

Ferret beschreibt seinen Zeichenstil nach Angaben des Verlages als „Gothic Cyberpunk”, was mir erst einmal vorab nicht so viel gesagt hat, doch nach der Lektüre würde ich sagen, die Zeichnungen erinnern mich eher an japanische Mangas, zumindest was die Seitenaufteilungen, die formale Bildsprache, und die vielen, nicht immer sinnergebenden Perspektivwechsel, angeht. Zugegeben, die Seiten sind hier natürlich extrem viel größer als bei Mangas, doch gerade auch der Trick, uns Details nur ausschnittsweise und in Nahaufnahme zu präsentieren, erinnert mich stark an Werke aus Japan. Leider ist es hier nicht hilfreich dabei, die dargestellten Szenen verstehen zu können, wenn sich diese Detail-Nahaufnahmen dann auf Gegenstände beziehen, die man nicht kennt und die noch nicht in ihrer Gesamterscheinung dargestellt wurden — ich konnte oftmals schlichtweg nicht erkennen, was da eigentlich dargestellt sein sollte. Das, zusammen mit den manchmal eher merkwürdigen Perspektivwechseln, macht die Lektüre (wahrscheinlich ungewollt) schwierig, und die Zusammenhänge bleiben unklar bis mysteriös. Das alles würde bei einem guten Skript vielleicht eher die Spannung erhöhen, doch hier muss ich sagen, wäre Ferret besser beraten gewesen, diese Aufgabe nicht allein zu stemmen, sondern sich einen guten Szenaristen dazu zu nehmen. Die hier verwendeten Storyelemente sind alle ein bisschen ausgelutscht und wirken durchweg wie Kopien anderer Werke: die Verseuchung der Welt z.B. ähnelt der in „Resilienz” von Augustin Lebon (dort etwas weniger unglaubwürdig); die weitgehenden Komplettkörperoperation des Königs ähneln denen im Klassiker „John Difool” von Moebius und Jodorowsky, wobei die Atmosphäre in „Talion” sowieso stark an Jodorowsky erinnert, mit einer neuen Machtelite, die die Technologie exklusiv in Händen hält und neuerdings wieder monarchisch (sic!) organisiert ist. Dazu kommt der Ansatz einer vermüllten Welt, voller Dreck und Trümmerteile — das kennt man inzwischen von Mathieu Bablet (z.B. „Shangri-La” oder „Carbon und Silizium”). Und nicht zuletzt erinnern mich die Versuche, über stark formalistisch geprägte Seiteneinteilungen das Gesamterscheinungsbild einer Seite zu prägen, an manchen Stellen stark an Andreas’ „Capricorn” (nur weniger erfolgreich umgesetzt. 

Gut und Böse sind mir hier ein bisschen zu polar verteilt, als dass die Charaktere wirklich „leben” würden. Gleichfalls finde ich auch den Fantasy-Ansatz, der der ganzen Geschichte anhaftet, wenig gelungen. Das ganze „Reich” der Familie Talion besteht aus einer Art Schloss, um das herum sich eine Stadt erstreckt (was man aber erst am Ende des ersten Bandes erfährt), regiert von einer Kaste von von oben ernannten „Herzogen”, dazu verpflichtet, die Massen in Schach zu halten. Aber die wirklich Mächtigen wohnen noch „darüber”, aber wo ist das? Vieles bleibt unklar und diffus, wird vielleicht in den Nachfolgebänden erklärt werden, lässt aber hier einen schalen Nachgeschmack zurück. Zumindest bei mir. Und ich finde die Mischung aus Fantasy und Science-Fiction immer dann nur selten gelungen, wenn man einerseits automatische Waffen hat, gleichzeitig aber gerne mit (absurd großen) Schwertern kämpft (und natürlich dabei gewinnt — mit den Schwertern, natürlich). Ein bisschen realistischer hätte es für mich schon sein dürfen.

Wenn man sich dann die Zeichnungen selber ansieht, wird man feststellen, dass Ferret mit einem sehr feinen Strich zeichnet, mit viel Sinn für Details, Technik, Gebäude und Perspektiven. Zeichnerisch stimmt da alles, ist jedoch leider aufgrund der oftmals sehr dunklen Kolorierung nicht ganz so einfach zu erkennen. Das ist der beabsichtigten Atmosphäre geschuldet, ganz klar, aber die vielen zeichnerischen Details gehen für mich im fehlenden Kontrast leider ein wenig verloren. Die Wahl eines durchweg schwarzen Seitenhintergrundes tut dann ihr Übriges dazu — auch ein Effekt, den man in der letzten Zeit öfter zu sehen bekommt.



Fazit:

Insgesamt eine eher dünne Geschichte, eine der vielen Dystopien, die in letzter Zeit erschienen sind. Die feinen Zeichnungen von Sylvain Ferret sind durchaus beachtlich, doch dieser erste Band der Trilogie wirkt ein bisschen bemüht und von zu vielen Vorgängern beeinflusst, um wirklich noch originell sein zu können. Die eher schwachen und flachen Charaktere schaffen es ebenfalls nicht, die Sympathien des Lesers zu wecken — somit leider summa summarum ein eher schwacher Auftaktband.



Talion Opus 1 – Wurzeln - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Talion Opus 1 – Wurzeln

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 17,00

ISBN 10:
3967921239

ISBN 13:
978-3967921236

64 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Durchaus feine und detaillierte Zeichnungen.
Negativ aufgefallen
  • Ein eher schwacher Auftaktband.
  • Schwache Story und flache Charaktere.
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 30.01.2024
Kategorie: Alben
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